Tochter Annabell: So ein kleiner Engel

Im Haus roch es nach Käsekuchen, frisch gemahlenem Kaffee und Tee. Marie – meine Frau – machte noch ein bisschen Ordnung, während ich im Schlafzimmer saß und unserer Tochter Annabell beim Schlafen zusah. Sie sah so zauberhaft aus, wie sie an ihren winzigen Daumen nuckelte und ganz leise atmete. Ich konnte mich einfach nicht satt an ihr sehen, obwohl sie doch schon einen Monat bei uns war. Nicht mal das Klingeln der Tür bekam ich mit.

anna„Na Papa, magst du nicht langsam runter kommen? Karo und Lukas sind da. Sie haben die Kinder mitgebracht.“

Ehe ich antworten konnte, war Marie verschwunden. Lächelnd stellte ich das Babyphone an und ging runter. Karo, meine Schwester, saß zusammen mit ihrem Mann auf dem Sofa und biss bereits in ein Stück Kuchen. Als ich den Raum betrat war ich bereits von meinen Neffen, Joseph und Kai umzingelt. Sie waren wieder ein Stück gewachsen.

Es wurde ein lustiger Nachmittag. Annabell wurde nicht einmal wach. Zwischendurch schlich sich Karo einmal hoch ins Schlafzimmer, um nach ihr zu sehen. Ganz entzückt kam sie wieder zu uns ins Wohnzimmer.

„So ein kleiner Engel“, sagte sie und warf einen Blick auf ihre Lausbuben, die gerade um das letzte Stück Kuchen stritten. „Was würde ich nicht alles für ein so ruhiges Kind geben!“, seufzte sie.

„Ja, sie schläft sehr viel. Aber manchmal ist es doch langweilig. Vor allem wenn Richard auf Arbeit ist und ich ganz allein mit ihr bin. Dann möchte ich sie doch manchmal wecken. Nur damit ich mich mit ihr beschäftigen kann.“, antwortete Marie. „Aber ich hab ja noch das Kinderzimmer, das fertig werden muss.“

Sekunden später fiel Josephs Teller vom Tisch und landete auf dem Fußboden, wo er laut klirrend zerbrach. Maries Handy summte „Wenn man davon spricht! Ich komm gleich wieder.“

Ohne eine Antwort von uns abzuwarten verschwand meine Frau im Flur und die Treppe hoch zum Schlafzimmer. In der Zwischenzeit organisierte ich Handfeger und Schaufel, um die Scherben zu beseitigen. Als ich wiederkam schauten mich Karo und Lukas ganz verwirrt an.

„Kann denn eure Kleine schon SMS schreiben?“, scherzte Lukas und nahm einen beherzten Schluck Kaffee.

„Nein, nein. Wir haben so ein Schnurlostelefon mit Babyphone Funktion. Das hat die SMS geschickt“. Ich lachte. „So was erschien uns sinnvoller, als ein richtiges Babyphone zu kaufen. Wir das brauchen das Ding einfach zu selten. Annabell ist ja immer in unserer Nähe.“

„Ach so. Verstehe.“ Lukas grinste breit. „Tja, so was hätten wir auch gebraucht. Dann hätten wir uns den Stress mit den ganzen Modellen sparen können.“

„So die Kleine schläft wieder.“ Maria war zurück.

Wenig später verabschiedeten sich Karo und Lukas und entschuldigten sich noch gefühlte hundert Mal wegen dem Teller. Ein typischer Tag halt.